Abschied von Rufus: Warum ein Leben mit Hund eine ganz besondere Reise ist
Der letzte Post auf meiner Seite ist sieben Tage her. Aber es ist auch kein Wunder. Vor sieben Tagen ist mein treuer Begleiter gestorben. 14 Jahre ist er alt geworden, mein Hund Rufus. Es ist erstaunlich, welche tiefe emotionale Bindung man zu einem Tier aufbauen kann. Viele verfallen ja in die Ad-hoc-Reaktion, sich sofort einen neuen Hund zu kaufen, zur Linderung des Schmerzes, um den Verlust zu begreifen. Ein Hund bedeutet unendliche Freude. So ging es mir zumindest. Ein Hund, so war meine Annahme in den 20ern, ist eine absolute Bereicherung. Aber ich hatte damals auch schon den Zeigefinger erhoben und mich gefragt, wie das funktionieren soll: Hund, Beruf und Familie. Letzten Endes sind wir alle zusammengewachsen, es hat funktioniert und man hat sich arrangiert.
Wenn die Stille im Haus einzieht
In der letzten Zeit konnte ich meinen schwarzen Freund nicht mehr so viel betreuen, einfach aus familiären Gründen. Ich hatte gedacht, dass dieser große Abstand mittlerweile dazu geführt hatte, dass der finale Verlust durch den Tod meines alten Freundes dazu führt, dass ich schneller und leichter damit abschließen kann. Aber die Endgültigkeit erzeugte tiefste Trauer. Kein Kraulen mehr hinter den Ohren, nicht mehr dieser schokoladige Geruch zwischen den beiden Ohren, nicht mehr dieses Wälzen auf dem Rücken und dieser verheißungsvolle Blick, wenn man ein Leckerli für den Hund parat hatte. Nein. Kein Bauch kraulen mehr, aber auch keine Haare mehr, die sich überall angesammelt haben.
Gefühlt dreimal am Tag staubsaugen, um der Haare Herr zu werden. Er war ein kleines Erdferkel, wie wir immer so liebevoll gesagt haben. Wenn andere Hunde um Pfützen drumherum gelaufen sind, lief er geradewegs hindurch. Das war mein Rufus. Er hatte es geschafft, auch bei leichtem Regen oder bei leichten Verschmutzungen von irgendwelchen Wegen auszusehen, als wäre er gerade eben aus der Kanalisation gezogen worden. Einfach mal abduschen, den Hund trocken machen oder ihn eine gewisse Zeit liegen lassen, bis man ihn abklopfen konnte und der ganze Dreck dann irgendwann rausgefallen war.
Ein treuer Begleiter und ein Weggefährte, der sich immer gefreut hatte, wenn man nach Hause gekommen war. Egal zu welcher Uhrzeit, egal in welcher Verfassung man selbst war. Dieser treue Begleiter kam einfach schwanzwedelnd auf einen zu und hat sich gefreut, dass man da war. Scheißegal, was vorher gelaufen ist. Scheißegal, ob man ihn vorher zusammengefaltet hatte, weil er irgendwo etwas angeknappert oder zerkratzt hatte. Er war einfach liebevoll.
Zwischen Kindheit und tierischem Instinkt
Man bedenkt dann immer noch die Zeit, als das erste Kind geboren wurde. Wir sind mit der ersten vollgeschissenen Windel zum Hund gelaufen und haben ihn schnuppern lassen. Angeblich sollte das den Neuankömmling willkommen heißen und dem Hund begreiflich machen, dass da jetzt noch jemand zum Rudel dazugehört. Ob das wirklich so stimmt und ob man das wirklich so machen muss, davon habe ich keine Ahnung. Man konnte mit dem Hund ja schlecht sprechen. Man stelle sich mal vor, uns Erwachsenen würde man die Windel vom Neuankömmling unter die Nase halten und sagen: „Das ist dein Sohn.“ Nun ja, für uns wäre das eine etwas eigenartige Konstellation.
Aber die großen Bedenken waren eben: Was würde der Hund machen, wenn da so ein kleiner Frischling herumliegt? Knabbert der Hund da dran rum oder akzeptiert er die Tatsache, dass da jetzt jemand Neues dabei ist? Das war die spannende Frage. Wir hatten sonst was für Geschichten gehört. Aber alles war gut. Ich lernte eben auch, dass andere Kinder nicht so friedefreudestrahlen begrüßt wurden. Deswegen bin ich immer noch ziemlich erbost, wenn ich Hundehalter sehe, die ihre Tiere einfach frei laufen lassen. Es ist und bleibt zwar ein treuer Begleiter, aber in ihm steckt eben noch das Raubtier und der Hund folgt anderen Regeln als der Mensch.
Auch wenn man den Hund erzogen hat, stubenrein bekommen hat und ihm bestimmte Regeln angewöhnt hat – was bei manchen Hundehaltern ja auch nicht mehr trendig zu sein scheint –, folgt der Hund innerlich eigenen Regeln. Ist ein Hund bedroht, wird er sich wehren. Fühlt der Hund, dass man das Rudel bedroht, wird er sich wehren. All das sind Dinge, die manche Hundehalter überhaupt nicht auf dem Schirm haben.
Verantwortung, Erziehung und ein neuer Lebensabschnitt
Erst letztens kam mir ein älterer Herr entgegen, der mit dem Rollator versuchte, mit seinem Hund Gassi zu gehen. Daneben ein Hund, der wahrscheinlich genauso alt war wie er selbst, nur in Hundejahren gerechnet, und sie tapsten ohne Leine herum. Und mir ging durch den Kopf: Wenn ich jetzt meinen schwarzen Freund dabei gehabt hätte, dann hätten wir eine fragwürdige Situation gehabt. Bleibt denn der alte Opa da? Ich meine den Hund auf seiner Seite? Und falls er dann doch die Straßenseite wechseln sollte, würde er auf sein Herrchen, diesmal den richtigen alten, auch gehorchen? Eine spannende Frage, die man nicht zu 100 Prozent mit „Ja“ beantworten kann.
Es sei denn, es sind wirklich Polizeihunde oder Tiere, die so dermaßen streng erzogen wurden, dass sie wirklich auf das kleinste Müh hören. Dahingehend war ich stolz, dass ich meinen Hund auf Handzeichen hin ausgebildet hatte, was sich im hohen Alter auch als sehr nützlich erwiesen hatte. Das Gehör des älteren Herrn war nicht ganz so prickelnd gewesen, aber ein fundiertes Handzeichen ließ ihn wissen, was ich von ihm wollte. Das hatte zumindest funktioniert.
Eine Woche ist es nun her, dass mein treuer Begleiter und alter Freund diese Erde verlassen hat. 14 Jahre ist er alt geworden, in Hundejahren gerechnet war das ein beachtliches Alter für seine Rasse beziehungsweise seine Mischlingsform. Möge er in Frieden ruhen, auch wenn ich es immer noch nicht ganz verstehen kann, dass dieses Kapitel nun abgeschlossen ist. Dieses Kapitel wird nie mehr sein. Es gab nur einen Rufus, der genauso war wie er.
In Zukunft möchte ich keinen Hund mehr haben. Ich möchte nicht die Lücken füllen und ich möchte weiß Gott nicht vergleichen. Das zumindest ist mein aktueller Stand. Ob sich das in der Zukunft vielleicht noch mal ändern wird, bleibt offen. Aktuell sehe ich nicht die Notwendigkeit und möchte das gar nicht. Das hat einfach mit dem Fakt zu tun, dass ich reisen und unabhängig sein möchte und mich dann nicht danach richten will, ob ein Hund mich begleitet oder nicht.
Mit dem Flugzeug zu fliegen ist nämlich aus meiner Sicht schlichtweg nicht möglich. Es sei denn, man gibt seinen treuen Begleiter in eine Pension oder zu jemand anderem. Aber ist das Sinn und Zweck des Ganzen? Das kann logischerweise jeder für sich selbst entscheiden. Für mich war es so, dass ich die Verantwortung für das Tier habe und sie auch übernehme. Dementsprechend waren die Reisen ausgerichtet, die Tagesabläufe und auch Ausflüge mit den Kindern, so dass man den Hund mitnehmen konnte und mit dabei hatte.
Ruhe in Frieden, mein treuer Begleiter.
Leb wohl, Rufus.