Erste Schritte mit der Cessna Citation CJ4: Ein persönlicher Erfahrungsbericht
Machen wir mal ein neues Type Rating. Diesmal: die Cessna Citation CJ4. Spannendes Flugzeug. Die wollte ich nehmen, um Kurzstrecken nachzuspielen – also zum Beispiel von Hamburg Richtung Toulon, von Toulon nach Paris, so ein typischer City-Hopper. Aber eben auch, um diese kleineren Flughäfen an der Côte d’Azur zu nutzen. Da an der Côte d’Azur vermehrt solche kleinen Flugzeuge landen, wollte ich das damit entsprechend nachspielen. Gesagt, getan und einfach mal ausgewählt.
Erste Eindrücke im Cockpit und in der VR
Erster Schockmoment: Das Cockpit sieht soweit erst mal schick aus. Auch in VR sieht das Teil richtig klasse aus. Aber schaut man dann unter das Cockpit, was in VR oder mit den normalen Ansichten möglich ist, sieht man doch jede Menge Kabel rumhängen. Das sieht irgendwie unprofessionell aus, aber gut. Wenn das Flugzeug so gebaut ist, dann wollen wir uns dem Ganze mal fügen. Soll ja dem Spaß keinen Abbruch tun. Die Feststellbremse hat irgendwas von einem Mercedes und sieht aus wie ein Choke bei einem Rasenmäher. Im Flugzeug befindet sich eine kleine MCDU, die anders zu bedienen ist als beim A320neo, die man vom FlyByWire gewöhnt ist. Kein Problem.
Herausforderungen mit BeyondATC und Triebwerksstart
Lief der erste Flug absolut geschmeidig ab? Natürlich nicht. Das ging ja schon mal damit los, dass ich keine Funkverbindung hatte. Ich nutze BeyondATC für den Funkverkehr, Traffic Injection, damit auch mal ein paar Flugzeuge zu sehen sind. Soweit so gut. Die Planung hatte ich über SimBrief gemacht, damit BeyondATC auch versteht, welchen Flugweg ich fliegen möchte. Aber ich glaube, BeyondATC hat das nicht so richtig gemocht, denn während des Starts kam die ATC ein wenig durcheinander. Dazu gleich mehr.
Es ging schon los, dass ich einen Pushback anfordern wollte. Ich hatte den Pushback-Request bei BeyondATC gestartet, aber da kam erst keine Meldung. Dann meldete er, dass ich auf der falschen Frequenz bin, weil es schließlich keine ATC-Frequenz sei. Selbst als ich auf Ground gestellt und nachgefragt hatte, kam nichts weiter. Gut, das hat nichts mit dem Flugzeug zu tun, sondern kann ein Fehler von BeyondATC sein. Als ich den Pushback dann manuell durchgeführt habe und mich einfach hingestellt habe – getreu dem Motto: wird schon keiner sehen –, war ich endlich abflugbereit. Was ich schön finde, ist, dass in BeyondATC kleine „Knubbel“ zu sehen sind, die zeigen, wo man den Taxiweg entlangfahren muss, denn ich gebe zu, dass ich da noch nicht ganz so konform bin. Wir arbeiten uns langsam in der Simulation vor, okay? Also, diese kleinen Knubbel waren soweit erst mal in Ordnung und dem bin ich dann zur Startbahn gefolgt.
Dort angekommen, lief das mit der Takeoff-Clearance eigentlich ganz gut. Ich mag es dann immer, nach draußen zu gehen und zuzuhören, wie die Triebwerke hochlaufen. Im Cockpit sah das soweit gut aus und ich war der Meinung, dass die Triebwerke gestartet waren. Der Witz war aber: Ich hatte das nicht richtig gemacht. Aus Versehen hatte ich den Startknopf gedrückt und dann versehentlich zweimal, sodass ich von „Start“ wieder auf „Stop“ gegangen bin. Da kam aber keine Anzeige, dass der gerade auf „Stop“ steht, es war einfach nicht auf „Start“ geblieben. Dann wollte ich losrollen und hatte aber nur ein Triebwerk an. Das Flugzeug blieb starr auf der Stelle stehen, selbst bei Vollgas wollte der Vogel nicht losdonnern. Bizarr. Also mache ich erst mal Pause, kümmere mich um den Haushalt, kam dann wieder zurück und es ging weiter. Da ist mir schließlich aufgefallen, dass das Triebwerk gar nicht gestartet war. Also startete ich dann noch schnell das zweite und konnte dementsprechend loslegen.
Navigationsprobleme und Autopilot-Feinheiten
Als ich an der Startbahn angekommen war, verlief der Start soweit reibungslos. Was ich allerdings ein wenig bizarr fand: Ich hatte mehrere Anzeigen auf einmal in der FMS-CDU. Wie sich herausstellte, hatte ich das GPS-Signal noch nicht richtig initialisiert; dementsprechend wusste mein FMS gar nicht, wo ich bin, und konnte den Flugweg nicht korrekt verfolgen. Also bin ich erst mal manuell geflogen. Der Autopilot ließ sich auch nicht einschalten. Ich hatte nämlich nicht geschnallt, dass ich den Master-Schalter vom Autopiloten noch umlegen muss. Der Hauptschalter muss rein, erst dann kann man auf die Taste AP klicken, um das Ding überhaupt einzuschalten. Eine saubere, fundierte Anleitung im Netz hatte ich dazu erst mal nicht gefunden, daher habe ich das eben so ausprobiert.
Nachdem diese Fehler behoben waren, konnte ich weiter loslegen. Ich habe dann einen Wegpunkt direkt in der FMS-CDU angesetzt, weil ich verschiedene Wegpunkte bereits überflogen hatte, die von der CDU aber gar nicht erkannt wurden. Ich gehe davon aus, dass BeyondATC da durcheinandergekommen ist, weil ich die einzelnen Wegpunkte nicht sauber abgeflogen bin. Ich habe bei BeyondATC – was ich soweit klasse finde – nachgefragt, ob da nicht irgendwann mal ein Frequenzwechsel notwendig wäre, weil ich ja schon in Göttingen bin und nicht mehr im Raum Hamburg. Antwort von der ATC: „Nein, das ist soweit in Ordnung. Bleib ruhig auf meiner Frequenz.“ Als ich dann aber in Baden-Württemberg war, habe ich selbstständig einen Frequenzwechsel durchgeführt, in der irrigen Annahme, dass ich dort registriert werde, aber das hat überhaupt nicht funktioniert. Naja, keine ATC, schade. Erschwerend kommt hinzu, dass ich neuerdings im VR-Modus keine Leiste mehr oben habe, um bestimmte Menüs aufzurufen – ziemlich paradox, ich verstehe nicht, warum das so ist.
Landeanflug und abschließende Bilanz
Der weitere Verlauf war ereignislos, bis darauf, dass das Funken überhaupt nicht funktioniert hat. Ich habe mich in die MCDU eingearbeitet. Da war zum Beispiel der Punkt: „Wird der Punkt TOD für den Sinkanflug angezeigt?“ Als ich mich durch das Menü geklickt hatte, kam ich an die Stelle, wo stand: „Dieser Knopf ist nicht aktiviert“. Dann ist das eben so, aber zum Glück hat die MCDU den Punkt dennoch angezeigt. Über die Frage, ob man die Speedbrakes beim Sinken setzen muss, weil das Teil absolut nicht langsamer werden wollte, gab es noch keine richtigen Informationen. Was ich bis jetzt nicht rausgefunden habe: Warum war der Flieger bei 100 Knoten laut MCDU – ich musste 100 Knoten im Endanflug fliegen – auf einmal wankelmütig und erst bei 110 Knoten wieder stabil? Laut Kalkulation hätte ich sogar noch 95 Knoten fliegen sollen, was mir bei der Größe von dem Vogel eigentlich sehr knapp vorkommt, aber laut technischen Details wohl in Ordnung ist.
Wie dem auch sei: Am Ende des Tages habe ich den Flieger sicher gelandet, auch wenn mir Toulon im Endanflug meinte, ich solle doch bitte in Toulon landen. Als ich dann bei Toulon nachgefragt habe, was das soll – denn ich bin ja im Endanflug auf Toulon –, meinte die ATC nur: „Bitte fliegen Sie zu Toulon. Auf diesem Flughafen Toulon haben Sie nichts zu suchen.“ Nun ja. Erster Flug, nicht abgestürzt, alles soweit in Ordnung, sehr schön. Macht auf jeden Fall Laune, noch ein bisschen mehr mit dem Flieger zu fliegen.