Hinter den Kulissen von Flightradar24: Wie Flugdaten unsere Welt verbinden
Als Flugsimulator-Enthusiast und Flugzeugfan habe ich natürlich auch die Flightradar24-App auf meinem Handy und schaue regelmäßig, welche Flieger da über uns kreuzen und wohin die gerade fliegen. Da stellt sich die spannende Frage: Woher nimmt Flightradar24 eigentlich seine gesamten Daten? Das Drollige an der Sache ist: Das sind ADS-B-Datenquellen. Die Transponder der Verkehrsflugzeuge senden regelmäßig ihre Daten auf der Frequenz 1090 MHz. Darin enthalten sind die GPS-Position, Flughöhe, Geschwindigkeit, Flugrichtung, Steig- und Sinkrate, die Kennung und teilweise sogar die Flugnummer. Daneben gibt es noch verschiedene andere Daten, die übertragen werden können. Soweit ich weiß, liegen die Daten unverschlüsselt vor. Da sie nicht gerichtet gesendet werden, kann sie jeder empfangen.
Das Netzwerk hinter den Echtzeitdaten
Flightradar24 greift wohl auf über 50.000 Empfänger zurück, inklusive satellitengestützter Systeme. Das Spannende dabei ist, dass viele Privatpersonen so eine ADS-B-Antenne auf dem Dach haben, die Daten sammeln und Flightradar24 zur Verfügung stellen. Das sind jede Menge Daten, die aufbereitet und historisch gespeichert werden müssen. Die spannende Frage ist jetzt: Wenn man weiß, das ist das Flugzeug, wo will das hin? Das wird ja nicht übertragen. Aber hier kommt die Verbindung der Daten ins Spiel – Stichwort Big Data. Man verbindet Flugpläne und Fluggesellschaftsdaten mit geplanten Abflug- und Ankunftszeiten, Flugzeugregistern und Typendatenbanken. So lässt sich eine eindeutige Kennung erstellen, wo welches Flugzeug hinfliegt. Das ist ziemlich interessant.
Was auf den Meeren passiert, ist satellitengestützt, weil dort logischerweise keine Empfänger unterwegs sind. Wenn ein Flugzeug keine Daten sendet, ist es auch nicht bei Flightradar24 zu sehen – zum Beispiel bei Militärflugzeugen. Es wäre äußerst sinnbefreit, wenn Militärflugzeuge im Einsatz solche Kenndaten senden würden und man frei gucken könnte, was wo passiert. Das ist irgendwo der Käse. Aber normale Flugzeuge sieht man eben. Manches Militärflugzeug sendet die Daten aber doch; zum Beispiel die Maschinen, die hier im Werra-Tal Testflüge machen oder im Tiefflug die A7 entlang bis nach Bremen und Hamburg donnern. Das ist schon ziemlich interessant. Bei diesen C-130 habe ich mir auch schon mal überlegt, einen Kurs zu belegen, um zu lernen, wie man so ein Ding fliegt – von „Cold and Dark“ bis zum richtigen Flughafen.
Kommerzielle Nutzung und Mehrwert der Daten
Wie wird das Ganze finanziert? Hinter Flightradar24 stecken eine irre Datenbank und enorme Rechenleistung. Es gibt tatsächlich Abonnements, damit man das Ganze werbefrei nutzen kann. Wer auf historische Flugdaten zugreifen möchte, braucht ebenfalls ein Abo. Dann gibt es Werbung in der App, die mich zwar manchmal nervt, aber wenn ich dafür die Daten ansehen und just for fun gucken kann, ist das vollkommen in Ordnung. Der Witz ist aber: Es gibt echte Geschäftskunden, die diese Daten kaufen. Warum? Die Preise liegen bei bis zu 500 US-Dollar, um nachzuvollziehen, wo welches Flugzeug war. Als Airliner kann man so prüfen, welche Flugziele beliebt sind oder welche Ziele andere Airlines vielleicht noch nicht anfliegen, die man selbst ins Programm nehmen könnte.
Wichtig ist auch das Thema Wartung und Flottenanalyse. Nutzt man die Daten live, weiß man, wie es um ein Flugzeug steht, wo es war und welche tatsächlichen Flugdaten es hinter sich hat. Für Disponenten ist es besser analysierbar, welche Frachtflugzeuge wirklich unterwegs sind und ob sich Transportkapazitäten ändern. Speditionen und Airlines können so ihre Transportplanung, Preise und Verträge optimieren. Interessant ist auch, dass Flugzeuge jede Menge Wetterdaten sammeln, während sie unterwegs sind: Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperaturen in den einzelnen Luftschichten. Diese werden gesammelt und an Wetterstationen weitergegeben, unter anderem wohl auch über Flightradar24.
Mehr als nur Flugzeugverfolgung
Dann gibt es noch AVIOBOOK zur Flugüberwachung. Die Software verbindet Flugpläne mit den tatsächlich geflogenen Strecken, womit Disponenten prüfen können, ob sich ein Flugzeug anders verhält als erwartet, um gegebenenfalls Untersuchungen einzuleiten. Aber warum bezahlen Privatpersonen dafür Geld? Die Antwort ist einfach, wenn man drüber nachdenkt. Es gibt Flugzeugfans: „Wo fliegt gerade noch ein A380 rum?“ Wenn ich Planespotter bin, möchte ich ein schönes Foto machen und muss wissen, wann der Flieger wo ist. Auch wenn ich Angehörige im Flugzeug habe, will ich wissen: Sind die schon angekommen, drehen die eine Warteschleife? Auch reine Statistik- und Technikfans nutzen das, um Flugrouten zu vergleichen.
Ich habe auch ein Add-on für den Flugsimulator gesehen, mit dem man realistische Flugrouten in SimBrief nutzen kann. Man kopiert die Daten aus Flightradar24 einfach in SimBrief und hat so die echte Flugroute eines echten Flugzeugs, um den Flug immersiver zu gestalten. Ob die Abweichung im echten Flugzeug dann so eine Wahnsinnssache ist, mag ich mal bezweifeln, aber okay. Wenn man das durchrechnet, werden da schon ein paar Milliönchen bei rumkommen, die Flightradar24 verdient – und es sei ihnen gegönnt. Ich bin jedenfalls froh, dass es die Seite gibt, und freue mich, dass ich mir das so anschauen kann.
Häufig gestellte Fragen
Warum sind Militärflugzeuge oft nicht auf Flightradar24 sichtbar?Militärflugzeuge schalten aus Sicherheits- und taktischen Gründen ihre Transponder oft aus oder senden keine öffentlich zugänglichen ADS-B-Daten, um ihre Position im Einsatz nicht preiszugeben.
Wie profitieren Unternehmen von den Flugdaten?Airlines und Logistikunternehmen nutzen die Daten zur Flottenanalyse, zur Optimierung von Flugrouten und zur Auswertung von Markttrends, um ihre Betriebseffizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.